Was passiert, wenn eine Kommune nicht wartet — sondern anfängt?
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Stadt München DATI
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Kontext
DAO — LHM
Phase
2026 / 2027
U18-Kommunalwahl Bayern 2026:Bayerns erste digitale Wahl — mit Wähler:innen, die noch nie analog gewählt haben
Die Landeshauptstadt München erprobt bei der Personalratswahl im Mai 2026 einen Prototyp für kryptographisch verifizierbare digitale Stimmabgabe — als parallele Simulation neben der offiziellen Papierwahl. Ein Pre-Post-Panel-Design, das misst, wie sich Vertrauen durch die konkrete Erfahrung mit dem System verändert.
Die Herausforderung ist nicht nur technisch. Der Weg zur Genehmigung führt durch ein Labyrinth aus zersplitterten Zuständigkeiten: Staatskanzlei, Digitalministerium, Finanzministerium — ohne einheitliche Prüfpraxis, ohne Präzedenzfälle. Dieser Prozess ist selbst ein Forschungsgegenstand.
Ergänzend zur quantitativen Erhebung werden qualitative Interviews durchgeführt: Wie nehmen Beschäftigte die Möglichkeit der digitalen Stimmabgabe wahr? Was beeinflusst ihr Sicherheitsgefühl? Wessen Empfehlung würde ihre Entscheidung beeinflussen?
Die meisten Jugendlichen haben noch nie gesehen, wie Stimmen ausgezählt werden. Für sie entsteht Vertrauen nicht im Raum — sondern im Interface.
Anders als frühere Generationen haben diese Jugendlichen keine analoge Referenz für den Wahlakt. Keine Wahlkabine. Keine Urne. Kein öffentlicher Auszählraum. Ihre erste demokratische Handlung findet in einer Softwareoberfläche statt — vermittelt durch Interface, Interaktion und digitale Prozesse.
Die Studie untersucht daher nicht primär die Usability des Systems. Stattdessen richtet sie den Blick auf eine grundlegendere Frage: Fühlt sich eine digitale Stimmabgabe demokratisch bedeutsam an?
Wahlberechtigte melden sich über das städtische Login-System an. Im Hintergrund erzeugt der Browser ein digitales Schlüsselpaar und der Wahlregister-Server vergibt ein Pseudonym. Die Wahlberechtigung wird bestätigt, ohne die Identität mit der späteren Stimmabgabe zu verknüpfen.
Was hinter der Kulisse passiert:
Anmeldung
Weiterleitung zum städtischen Login-System (Keycloak).
Wahl-Pseudonym
Wahlregister-Server vergibt eine wahlspezifische Kennung, die zeigt: wahlberechtigt, aber nicht wer.
Einmaliges Schlüsselpaar
Browser erzeugt zwei zusammengehörige Schlüssel: einen geheimen (SK_voter bleibt lokal) und einen öffentlichen (PK_voter wird mit der Stimme veröffentlicht).
Bestätigung der Berechtigung
Wahlregister-Server bestätigt: „Dieser öffentliche Schlüssel gehört zu einer wahlberechtigten Person“.
2. Geheime Wahl auf dem eigenen Gerät
Wählende sehen den Stimmzettel und treffen ihre Auswahl. Der Browser lädt dafür die Kandidatenliste und die Wahlregeln, die Entscheidung selbst bleibt aber vollständig auf dem Gerät. Kein Server erfährt, was ausgewählt wurde.
Was hinter der Kulisse passiert:
Wahldaten laden
Kandidatenliste, Wahlregeln und der gemeinsame Wahlschlüssel (PK_election), mit dem die Stimme später versiegelt wird.
Die Auswahl bleibt privat
Kein Server erfährt etwas – die Auswahl findet nur auf dem eigenen Gerät statt.
3. Versiegelung der Stimme
Der Klartext der Stimme verlässt das Gerät nie. Was übertragen wird, ist ein versiegeltes Paket: Durch Verschlüsselung lesbar für niemanden, doch prüfbar für das System.
Was hinter der Kulisse passiert:
Verschlüsselung
Die Stimme wird mit dem gemeinsamen Wahlschlüssel (PK_election) so versiegelt, dass nur das Auszählungsgremium sie gemeinsam öffnen kann.
Persönliche Signatur
Der geheime Schlüssel (SK_voter) unterschreibt die versiegelte Stimme als Beweis, dass sie von einer berechtigten Person stammt.
Gültigkeitsbeweis
Das sogenannte Zero-Knowledge-Verfahren belegt mathematisch, dass die Stimme gültig ist, ohne ihren Inhalt preiszugeben.
4. Prüfung ohne Einsicht
Die Wahlsoftware prüft die versiegelte Stimme auf Echtheit und Gültigkeit, ohne ihren Inhalt lesen zu können. Erst nach bestandener Prüfung wird sie in das öffentliche Wahlprotokoll aufgenommen.
Was hinter der Kulisse passiert:
Prüfung ohne Einsicht
Die Wahlsoftware prüft, ob der Gültigkeitsbeweis stimmt, die Signatur korrekt ist und die Berechtigung vorliegt. Den Inhalt der Stimme kann sie dabei nicht lesen.
Veröffentlichung
Die versiegelte Stimme wird auf dem Bulletin Board veröffentlicht, einer öffentlichen, unveränderbaren Datenbank (Blockchain).
Schutz vor doppelter Stimmabgabe
Pro Pseudonym wird nur eine aktive Stimme geführt. So ist sichergestellt, dass jede berechtigte Person genau eine gültige Stimme abgibt, ohne Identitätspreisgabe.
5. Nachweisbar, aber geheim
Wählende können nachprüfen, ob ihre Stimme im öffentlichen Wahlprotokoll enthalten ist. Der Inhalt bleibt dabei verborgen. Sichtbar ist nur, dass die Stimme existiert.
Was hinter der Kulisse passiert:
Öffentliches Wahlprotokoll (Bulletin Board)
Alle versiegelten Stimmen sind öffentlich gelistet, ihr Inhalt bleibt jedoch unlesbar.
Trotzdem geheim
Niemand außer der wählenden Person selbst kennt die Zuordnung zwischen Schlüssel und Person.
Eigene Stimme finden
Mit dem persönlichen öffentlichen Schlüssel (PK_voter) können Wählende ihre eigene Stimme in der Datenbank identifizieren
6. Ergebnis ohne Einzelzugriff
Nach Wahlschluss werden alle verschlüsselten Stimmen addiert, ohne sie zu öffnen. Erst dann entschlüsselt ein Gremium gemeinsam das Gesamtergebnis. Einzelstimmen bleiben dabei dauerhaft verborgen. Die Korrektheit der Auszählung ist öffentlich nachprüfbar.
Was hinter der Kulisse passiert:
Verschlüsseltes Rechnen
Versiegelte Stimmen werden addiert, ohne sie zu öffnen (Homomorphe Addition).
Gemeinsame Entsiegelung
Nur das Gesamtergebnis wird entschlüsselt, nie einzelne Stimmen.
Auszählungsgremium
Mehrere unabhängige Personen entschlüsseln gemeinsam (Threshold).
Öffentlich überprüfbar
Jede Person kann die Korrektheit der Auszählung mathematisch nachprüfen (End-to-End-Verifizierbarkeit).
Die Ergebnisse der Untersuchung werden zu übergreifenden Learnings zusammengefasst. Im Fokus steht, welche Elemente des Wahlprozesses das Gefühl von Verbindlichkeit, Vertrauen und demokratischer Bedeutung prägen.
Im Folgenden die Kern-Learnings.
Ich finde es toll, dass digitales Wählen möglich ist, und dass ich hier meine Stimme abgeben durfte.
Ich muss zudem anmerken, dass ich eine Manipulation der Wahl für möglich halte. Wer das technische Know-how hat könnte die Wahl beeinflussen.
Wahlen sollten schon digital stattfinden aber mit sehr sehr hohen Sicherheits-standards.
Auch wenn sich die digitale Wahl nicht so anfühlt wie es in einer echten Wahlkabine sein muss, denke ich dass meine Stimme gut aufgehoben ist.
Trotzdem finde ich das Wählen an einem Ort mit Papier und Stift Menschlicher und besser.
Digitale Wahlen gut für unter 18-jährige weil die haben eh fast alle ein mobiles Endgerät.
Einmal erleben wirkt stärker als jede Erklärung
Jugendliche, die tatsächlich digital gewählt haben, bewerten Einfachheit, Nutzen und Freude massiv höher als jene, die nur hypothetisch urteilen — bei identischen Fragen. Der größte Unterschied liegt bei der wahrgenommenen Einfachheit. Die generelle Technikoffenheit zeigt keinen Gruppenunterschied: nicht Technikaffinität erklärt den Effekt, sondern die Erfahrung selbst.
Was heißt das konkret? Nicht erklären, sondern ausprobieren lassen. Pilotprogramme mit echten Wahlen sind die wirksamste Akzeptanzstrategie - eine einzige reale Erfahrung verändert die Haltung stärker als jede Informationskampagne.
Ich finde es toll, dass digitales Wählen möglich ist, und dass ich hier meine Stimme abgeben durfte.
Vertrauen hat zwei Schichten — nur eine erreicht man durch UX
Erfahrung erhöht das allgemeine Vertrauen moderat, aber institutionelles Vertrauen verschwindet nach Kontrolle für Komposition fast vollständig. Wer digital wählt, vertraut nicht mehr in Institutionen, weil er digital gewählt hat — sondern weil er schon vorher politisch interessierter war. Nur die Wiederwahl-Absicht und die wahrgenommene Nützlichkeit überleben die statistische Bereinigung als echte Erfahrungseffekte.
Was heißt das konkret? Gute UX erzeugt Nutzungswillen, aber kein institutionelles Vertrauen. Wer langfristige Legitimation will, muss Institutionen sichtbar machen — nicht nur Interfaces.
Ich muss zudem anmerken, dass ich eine Manipulation der Wahl für möglich halte. Wer das technische Know-how hat könnte die Wahl beeinflussen.
Wahlen sollten schon digital stattfinden aber mit sehr sehr hohen Sicherheits-standards.
Nachvollziehbarkeit wird wahrgenommen, nicht geprüft
Der Eindruck, dass ein System überprüfbar sein könnte, reicht häufig aus, um Vertrauen zu erzeugen — selbst ohne tatsächliche Einsicht in technische Details.
Auch wenn sich die digitale Wahl nicht so anfühlt wie es in einer echten Wahlkabine sein muss, denke ich dass meine Stimme gut aufgehoben ist.
Trotzdem finde ich das Wählen an einem Ort mit Papier und Stift Menschlicher und besser.
Interface-Design prägt demokratische Wahrnehmung
Gestaltung und Sprache des Systems beeinflussen messbar, ob Wähler:innen ihre Stimme als politisch wirksam wahrnehmen.
Digitale Wahlen gut für unter 18-jährige weil die haben eh fast alle ein mobiles Endgerät.